Fast vorbei

Freitag, 28.09.2012

Die Autovermietung sich bisher nicht gemeldet, daher gehe ich mal davon aus, dass da auch nichts mehr kommt. Gut!

Montags ging es dann nach La Plata, einer der symmetrischsten Städte Südamerikas. Die Studentenstadt liegt eine gute Busstunde südlich von Buenos Aires und beheimatet unter anderem den Verein Estudiantes de La Plata, dessen Heimspiel wir auch besuchen wollten. So ging es nach dem Einchecken im netten Hotel zu Fuß zum Vereinsgelände. Dort mussten wir feststellen, dass in DEM Stadion sicher kein Spiel stattfindet. Es ist eine verlassene Baustelle. Ob da beim Umbau das Geld ausging? Wir hatten aber noch Zeit, also stiefelten wir Richtung Zentrum, ehe wir ein freies WLAN gefunden hatten und erfuhren, dass La Plata seine Heimspiele in einem anderen Stadion der Stadt austrägt. Sind wir also dort hingelaufen,  zeitlich schien es zu passen. Das Stadion existiere auch, doch eine halbe Stunde vor Anpfiff war dort kaum ein Mensch zu sehen. Und wurde klar, dass wir das Spiel nicht sehen werden. Später fanden wir heraus, dass das Spiel wenige Stunden zuvor verlegt wurde. Am Vorabend fand dort ein Rugbyspiel statt, dass den Rasen wohl sosehr in Mitleidenschaft zog, dass das Gastteam sich weigerte, dort aufzulaufen. So wird mal eben paar Stunden vorher das Spiel nach Quilmes im Süden von Buenos Aires verlegt, also in die Stadt, aus der wir gerade kamen. So verfolgten wir das Spiel dann in einem Imbiss auf dem Fernsehen. Dumm gelaufen, aber immerhin eine weitere Stadt kennengelernt.

Dienstag ging es dann wieder zurück nach Buenos Aires. Wir planten, noch eine Tagestour nach Uruguay zu unternehmen. Wir waren aber ein wenig spät dran, sodass die Fähre nun viel zu teuer für uns wurde. Zudem gilt Uruguay sowieso als das Schweiz von Südamerika, sodass wir aus finanziellen Gründen und dagegen entschieden.

Wir buchten aber einen Ausflug in das Delta des Rio Luján in den Rio de La Plata mit Bootstour. Das Delta besteht aus tausenden kleinen Inseln, die zu großen Teilen bewohnt sind. Damit sieht es dort aus wie in Holland in weitläufig. Ausflug wird unter der Kategorie „ganz nett“ verbucht. Letztlich sind die letzten Tage dann wenig aufregen verlaufen. Wir genießen die letzten Tage in diesem Land tagsüber in Cafés und nachts in der Kneipe. Jetzt am Wochenende schauen wir uns noch ein Heimspiel von Quilmes und eins von Racing an, ehe es Sonntag dann zum Flughafen geht. Es wartet dann ein Flug von über 13 Stunden, sodass ich Montagmittag zum ersten Mal seit fast 4 Monaten wieder deutschen Boden betrete. Erlebt und gesehen habe ich viel, rumgekommen bin ich weit. Es war eine tolle Zeit, die ich wohl nicht vergessen werde.

Und dann geht der Ernst des Lebens wieder los. Die ersten Vorlesungen habe ich bereits verpasst und die Maloche geht auch los. Wird sicher erstmal stressig, aber ich freu mich drauf! Und das wichtigste: Ich sehe Freunde und Familie wieder.

Danke an die fast 2100 Klicks auf meinem Blog. Ist doch nett zu wissen, dass sich Leute für meine Reise interessiert haben und die Texte nicht zu langweilig waren.

La Plata Tigre

Fußball, Iguazú, Brasilien, Paraguay

Samstag, 22.09.2012

Schon wieder eine Woche rum, in der viel passiert ist. Ich versuche, alles in der Schnelle auf die Reihe zu bekommen.

Nachdem wir es Samstag doch glatt geschafft hatten, unsere Wäsche waschen zu lassen, machten wir uns auf den Weg, Tickets für die ausgesuchten Spiele zu kaufen. Bei Boca nicht einfach, da diese nur Karten an Mitglieder verkaufen, und das nichtmal an der Abendkasse. Beim letzten öffentlichen Kartenverkauf bildete sich auch eine hunderte Meter lange Schlange, wir hofften dort direkt welche schwarz kaufen zu können. Ging aber nicht.

Karten für das Spiel Racing Club gegen Estudiantes de la Plata gab es hingegen auch vorm Spiel am Stadion zu kaufen. Abends waren wir recht erfolglos bei der Suche nach einer netten Kneipe, sodass wir letztlich in einer günstigen Bar versackten, in der wir bis kurz vor 6 morgens mit paar Argentiniern tranken und redeten. Mit vorgeschrittener Uhrzeit und Menge an Bier klappt auch Konversation, ohne dass man die gleiche Sprache spricht. Naja, lustig wars.

Also Sonntagmittag der Wecker klingetle, fuhren wir direktnach Boca, da wir ja noch Karten brauchten. Wir hatten zuvor gelesen, dass man sich gegen Entgelt reinschleusen lassen kann. Man geht dann mit Fangruppen mit, die in diesem Land durch Kontakte und Korruption keine Karten brauchen und zahlt dann, wenn man im Stadion ist. Andere sollen auch schon Polizisten bestochen haben. Wir liefen also ums Stadion herum und es dauerte nicht lange, ehe wir von einer kompetent wirkenden Person angesprochen wurden. Diese kassierte Geld von den Leuten, die auf der öffentlichen Straße parkten und war durchgängig am Telefonieren. Wir vereinbarten einen Preis und er versprach uns, dass wir gleich reinkommen. Es verzögerte sich aus unbekannten Gründen immer weiter, sodass letztlich umdisponiert wurde, und wir mit fremden Dauerkarten wunderbare Plätze auf der Haupttribüne einnehmen konnten und das Classico (Derby) gegen Indepediente aus dem Nachbarstadtteil sahen. Nach dem Spiel trafen den Typen wieder und er gab uns seine Handynummer, für den Fall, dass wir nochmal Karten bräuchten…

Montag morgens ging es dann in aller Frühe nach Norden. Ziel waren die Iguazú-Wasserfälle doch bis daher war es ein weiter weg, etwa 1300 km. Man startet bei 16 Grad in der Pampa und kommt bei 38 Grad im subtropischen Regenwald an. Fahrtzeit: Etwa eineinhalb Tage. Unterwegs haben wir einmal vergessen das Licht anzumachen. Sowas fällt natürlich in einer der unfassbar vielen Straßensperren der Polizei auf. Diesmal hatten sie kein Erbarmen und kassierten umgerechnet 100 Euro Strafe. Danke dafür. So kamen wir Dienstagnachmittag an und genossen ein paar Biere in der tropischen Hitze im Garten unserer günstigen, aber guten Unterkunft. Nachts dann das totale Unwetter und ein Temperatursturz. So erfuhren wir am Mittwoch, warum der Regenwald Regenwald heißt. Meiste Zeit war es zwar trocken, aber so richtig schön, was das Wetter an dem Tag nicht. Aber egal, es war die argentinische Seite der Wasserfälle angesagt.

Kurz zur Info. Die Iguazú-Wasserfälle bestehen aus 20 großen und 255 kleinen Wasserfällen, auf einer Länge von 2,7 km, von der nur 900 m nicht überströmt werden. Ich denke die Bilder sprechen für sich. Wir buchten auch gleich das komplette Touri-Paket mit Schlauchbootfahrt durch einen tropischen Fluss, LKW-Fahrt durch den Dschungel und Speedboot-Tour die Stromschnellen hinauf und in die Wasserfälle hinein. Dabei muss man seine Kamera übrigens in eine Wasserdichte Tasche packen, da man natürlich komplett nass wird.

Donnerstag fuhren wir nach Brasilien um die Wasserfälle von dort aus anzusehen. Wetter war nun wieder gut. Wir wollten uns eigentlich dann mittags auf dem Weg zurück nach Buenos Aires machen, da wir dort Freitagabend ankommen wollten. Doch wir entschieden uns noch für einen Abstecher nach Paraguay. Man will ja so viel mitnehmen, wie geht! Schon in der Nähe der brasilianisch-paraguayischen Grenze nahm der Wahnsinn seinen Lauf. Leute laufen hinter dem fahrenden Auto her und klopfen an die Scheibe um Flyer loszuwerden. Bis dann netterweise aus dem Nichts ein Roller vor einem Auftaucht, der einem den Weg zeigt und komplett durch das Chaos nach Paraguay leitet. Bei der Immigration in Paraguay, wo man seinen Stempel abholen muss, wurde uns dann aber gesagt, dass wir diese Leute auch auf keinen Fall bezahlen sollen. Unsere Scheibe wurde in diesem Land ungefragt gleich mehrmals geputzt, es liefen wieder Menschen hinter unserem Auto her und ein Polizist bereicherte sich auch hier nochmal an uns. Preis war verhandelbar, Quittung gab es natürlich keine. Der hat sich bestimmt nen netten Abend gemacht. Mit der Fähre verließen wir dieses verrückte Land dann wieder nach Argentinien. Bei der Einreise waren die Beamten dann wieder gang genau. Das Auto wurde durchsucht und Taschen geöffnet. Zu finden war natürlich nichts.

Und zack, da war es schon 5 Uhr Nachmittags und wir hatten noch viel Weg vor uns. Im Reiseführer steht, man soll nachts nicht über das Land fahren. Gründe sind auch bei Tage und in der Stadt erkennbar: Die Landstraßen sind oft schlecht ausgebaut, haben wenig oder gar keine Fahrbahnmarkierungen, Tiere stehen auf der Straße und andere Fahrzeuge haben nichtmal ein Licht zum Einschalten (die müssen aber anscheinend keine Strafe zahlen).

Aber es half ja alles nichts, wir brauchten Kilometer. Wir suchten uns eine Strecke mit 200 km Umweg aus, weil diese nach Karte größer und ausgebauter aussah. Mit Fernlicht ging weitestgehend auch recht gut, einmal wurde es eng: Auf einer langen Geraden (also wie überall in der Pampa) kam in der Ferne ein LKW entgegen, also schalteten wir das Fernlicht aus. Und plötzlich waren sie da, die Kühe auf der Straße. Die Vollbremsung hätte alleine nicht gereicht, wenn die Kuh und ich uns nicht noch gegenseitig ausgewichen wären. Es war knapp und wir verstanden, warum viele Autos das Fernlicht gar nicht abblendeten. Kreuzende Wasserschweine hingegen weichen nicht aus und erwarten, dass man vorher anhält. Bei Nacht auch schon zu sehen: Der Argentinier ist nur dann glücklich, wenn er was anzünden kann. Überall brannte es. Man viel mal wenig. Meistens Müllkippen, Laub oder es war wegen zuviel Rauch nicht zu erkennen. Übernachtet haben wir im Auto auf einer Raste, Hotel machte keinen Sinn, denn nach 4 Stunden Schlaf ging es weiter.

Kleiner Aufreger noch in einer Baustelle, wo ich nicht weiß, ob der Bauarbeiter einfach nur doof oder ein Idiot ist. Die Arbeiter schüppten gerade warmen Asphalt durch die Gegend, ein Spezi schüppte einfach mal über die Fahrbahn hinweg, wo wir gerade herfuhren. Also erwischte uns das Zeug einmal komplett und wir waren übersäht mit dem klebrigen Zeug. Danke dafür und mal sehen, was die Autovermietung dazu sagt.

Buenos Aires in der Verlängerung, Fußball und Chile

Freitag, 14.09.2012

Der letzte Eintrag ist schon ein paar Tage her. Das liegt daran, dass wir abends immer unterwegs waren, oder kein Internet hatten. Oder beides. So kommt nun ein etwas längerer Text.

Am Samstag wollten wir ja unsere Karre vom Flughafen abholen. Der erste Erfolg des Tages war, dass uns das Taxi zum falschen Flughafen gebracht hat. Das haben wir dann vor Ort aber schnell bemerkt, also schnell wieder ins Taxi und zum richtigen Flughafen fahren lassen. Da hatten wir die ersten 70 km schon hinter uns. Europcar hat am Internationalen Flughafen von Buenos Aires aber keinen eigenen Schalter oder ähnliches. Man muss einen Typen finden, der einen weiterleitet, ehe man in ein verstecktes Büro geführt wird. Und dann kam der Knaller: Eine Kaution von 1500 USD ist direkt über die Kreditkarte zu bezahlen. Vorher war davon keine Rede und in den USA reichte auch immer die Kreditkarte an sich, ohne sie zu belasten. Dummerweise hatte keine Kreditkarte von uns noch genug Limit frei, um die Kaution zu stemmen. Auf einem Samstag braucht man auch nicht bei der Sparkasse anrufen. Kurz gesagt: Wir haben das Auto nicht bekommen, obwohl wir es bereits bezahlten (also die reguläre Miete). Also wieder ins Taxi und 40 km zurück in die Stadt. Der Taxifahrer wollte uns auch zu einem „cheap cheap“-Hotel bringen, hielt dann netterweise vor einem Innenstadthotel mit 4 Sternen. Da die Preisleistung hier gut war, wir unsere mittlerweile dreistelligen Taxigebühren (in Euro, nur für diesen Tag) nicht noch weiter erhöhen wollten und wir einfach keine Lust mehr hatten, checkten wir ein. Dank der vorherigen Abbuchungsversuche (wir hatten es gesplittet versucht) waren nun all unsere Kreditkarten dicht, sodass wir ein wenig schräg angeguckt wurden. Letztlich ging es dank Maestro aber doch.

Blick ausm Hotelfenster über Buenos Aires

Ach ja: Das Wetter hatte mittlerweile auf sonnig und warm umgeschwenkt und wir haben schnell unseren Trip umgeplant. Wo nun klar war, dass wir mindestens bis Montag in Buenos Aires verbringen werden, beschlossen wir, am Abend das Spiel San Lorenzo gegen Coron Santa Fe zu besuchen. Der Ticketshop in der Stadt hatte schon geschlossen, also ging es wieder mit dem Taxi in einen Vorort, wo wir die Eintrittskarten erstanden. Wir beschlossen von nun an nach Möglichkeit auf Taxifahrten zu verzichten und die 6 km zum Hotel zu Fuß zu laufen. Das hat sich auch gelohnt, immerhin gerieten wir in ein karnevalähnliches Fest einer argentinischen Partei mit Trommeln und allem Drum und Dran. Dies kostete ei n wenig Zeit, sodass wir uns nach Ankunft im Hotel fast direkt auf den Weg ins Stadion machen konnten. Wir beschlossen mit der U-Bahn zu fahren, diese kostet keine 50 Cent pro Ticket. Das Stadion selber liegt in einem eher ärmlichen Viertel, und da wir nach dem Wechsel von der U-Bahn in die Straßenbahn den falschen Ausstieg wählten, durften wir auch einiges davon  durchqueren. Der Stadionbesuch selber war so, wie wir es für Südamerika erwarteten. Hier umschreibe ich es mal kurz mit „beeindruckend“. Wenn ich darauf noch näher eingehe, wird der Text viel zu lang. Nach dem Spiel folgten wir der Masse in der Hoffnung zur U-Bahnstation zu kommen. Letztlich war die Masse verschwunden, wir fanden den Bahnhof aber dennoch. Die letzte Bahn war aber schon um halb 11 abgefahren. Merkwürdig für eine Stadt wie diese. So mussten wir wieder in ein Taxi steigen.

Stadionumgebung irgendwann vorm Spiel

Sonntag holten wir dann den verschobenen Trip in das Stadtteil Boca nach. Mit der U-Bahn und zu Fuß kamen wir nach Boca hinein. Allerdings ist das Viertel sehr groß, der Touriteil sehr klein, wir wussten nicht, in welche Richtung und Boca gilt ansonsten nicht als das beste Viertel. Also wieder ins Taxi. Ein wirkliches hübsches Viertel für Touristen.

Abends war das Spiel River Plate gegen Newells Oldboys aus der Nachbarstadt Rosario angesetzt. Wir hatten gelesen, dass man keine Karten im Vorverkauf erstehen müsste und diese am Stadion kaufen könne. Dort kamen wir nachmittags an und durften sehen, dass die Ticketschalter schon geschlossen hatten. Immerhin war das Schwarzmarktangebot üppig. Dennoch bekommt man als blonder Tourist, der kaum Spanisch spricht nicht wirklich reale Preise. Da eine Sitzplatzkarte uns mehr gekostet hätte, als wir mithatten, entschieden wir uns dann doch für die günstigeren „Ole Ole“-Karten, wie der Verkäufer sie genannt hatte, also Karten für den Stehplatzblock. Im Stadion begaben wir uns an den äußersten Rand des Blocks, da es hier recht gemäßigt erschien. Dort machten wir Bekanntschaft mit dem Stadionhund. Dieser kam in den Block, kassierte paar Leckerbissen von Besuchern und ging wieder zielstrebig heraus. Wahrscheinlich einer der unzähligen Straßenhunde, nur dass dieser gelernt hat, dass es lohnenswert ist, am Spieltag das Stadion zu besuchen. Weitere Anekdoten zum Spiel an anderer Stelle. Die Taxifahrt zum Hotel war wieder typisch: Gurte nicht vorhanden, Geschwindigkeit kann nicht hoch genug sein, Spurwechsel sind immer möglich und rote Ampeln nur eine Empfehlung.

   

Am Montag ging es nach einem Telefonat mit der Bank endgültig Richtung Autovermietung. Diesmal mit der U-Bahn, da man uns erklärte, dass wir das Auto auch in der Innenstadt abholen könnten…. Dies klappte endlich auch. Die Karre war zwar nicht direkt von Europecar und hätte sicher auch keinen deutschen Tüv bekommen, aber sie ist gut motorisiert und fährt. Dummerweise ungerne geradeaus. Ich hab selten ein Auto erlebt, dass so von links nach rechts und zurück „schwimmt“.

Mit dem Gefährt ging es direkt ins Viertel Lanus um dort Karten für das Spiel am Abend CA Lanus gegen Godoy Cruz zu kaufen. Dies hatte ohne Probleme geklappt. Abends aufm dem Weg zum Stadion gab es dann Verzögerungen, weil Leute eine Barrikade aus brennenden Autoreifen auf einer Hauptstraße errichtet hatten. Ich hab nicht verstanden weswegen, aber es schien auch niemanden so wirklich zu interessieren. Wir kamen dennoch pünktlich an und sahen ein nettes Spiel, allerdings im Schatten von River Plate nicht so spektakulär.

  vor Anpfiff

Dienstagmorgen ging es früh los Richtung Westen. Der tropische Wasserfall wurde auf nächste Woche verschoben, jetzt wollten wir erstmal die Anden sehen. An den Fahrstil hatte ich mich einigermaßen angepasst. Um den Verkehr nicht völlig aufzuhalten, fuhr ich im 40er Bereich (warum auch immer) einer Landstraße gute 110. Dennoch wird man dann trotz durchgezogener Linie von Einigen noch überholt. Wir kamen bis San Luis, einer Stadt mit vielen Eisläden, aber wenigen echten Restaurants. Tags drauf ging es nach Mendoza. Die Strecke ist nicht so weit, doch dank einigen Quilmes „Kirmes“ Bieren entschieden wir, hier schon zu nächtigen. Die Straßenhunde haben hier übrigens Niveau. Vegetarisches Essen wie Pommes, Brot und Puffreis wird verweigert.

Heute ging es dann wirklich in die Anden hinein. Unter völliger Missachtung sämtlicher Verkehrsregeln, also voll gesellschaftskonform, fuhren wir Richtung Westen und entschieden kurzfristig, direkt bis nach Chile durchzufahren. Wir erhofften uns einen weiteren Stempel im Reisepass, allerdings sind die Grenzen hier offen. Aber das wichtigste: Ich war in Chile! Auf dem Weg zurück mussten wir dann doch einem Grenzbeamten erklären, was wir in Chile taten. Ohne Spanisch zu sprechen dauerte es ein wenig, bis er verstand, dass wir nur Fotos vom Chile-Schild machten. Immerhin wurden wir dafür herzlich ausgelacht und letztlich durchgewunken. Auf dem Weg zurück vielen uns 2 LKW auf, die anstatt mit Sand oder Schutt mit Menschen beladen waren. Dies ist hier wohl einige günstige Art und Weise Auswärts zu fahren. In Buenos Aires hingen die Leute ja „nur“ an den offenen Türen von Bussen.

Puente del Inca Zugfahren?

Hier im Inland haben wir übrigens wieder bis zu 29 Grad. Also hat die dicke Jacke wieder Pause.

Aktuell sind wir in irgendeinem Motel in der Pampa (also der wirklichen Pampa, die sprichwörtliche passt allerdings auch) auf dem Weg Richtung Buenos Aires. Dort erwartet uns neben Fußball hoffentlich auch ein guter Waschsalon. Hier wäscht man nicht selber, hier lässt man waschen. Das kostet allerdings dick Geld und vor allem Zeit (mindestens ein halber Tag), die wir auf Reisen selten haben.

Angekommen in Argentinien

Samstag, 08.09.2012

Der 11 stündige Flug nach Buenos Aires verging trotz Verspätung erstaunlich schnell. Der Sitzreihenabstand war groß, zudem der Flieger halb leer. Da konnte man es sich bequem machen und schlafen. Nach Schnuppern der ersten argentinischen Luft war schnell klar: Hier ist noch Winter. Mit dem gebuchten Flughafentransfer ging es in das nette Studentenviertel Palermo zum Hotel. Hübsches Viertel, allerdings muss man immer den Blick auf den Boden richten, der ist nämlich übersäht von Hundehaufen. Dennoch konnte man gut und günstig im Winterschlussverkauf eine Jacke erstehen und in den Bars ein paar Bierchen trinken. Das schmeckt hier sogar.

Auf der Taxifahrt ins Zentrum bemerkt man, dass der Verkehr eher anarchistisch verläuft. Immer rasant, schnelle Spurwechsel und als Fußgänger sollte man auch bei einer grünen Ampel lieber mal links und rechts gucken. Ob die Stadt jetzt schön ist, kann man nicht genau sagen. Sie hat auf jeden Fall hübsche, aber auch total hässliche Gebäude. Dazu ist es laut, dreckig und immer voll. Aber nett sind die Argentinier auf jeden Fall. Allerdings übertreiben sie es ein wenig mit der Bekleidung. 14 Grad ist zwar nicht viel, aber dicke Winterjacke, Mütze und Schal ist da doch ein wenig viel.

Ein wenig nervig ist es, dass man kaum einen Meter gehen kann, ohne von irgendeinem Promoter angesprochen zu werden. Meistens geht es um Restaurants, Ledergeschäfte oder zwielichtige Angebote. Wir fallen hier direkt als Ausländer auf.

Heute wollten wir in den Stadtteil La Boca. Da es aber durchgängig am Meimeln war, empfahl uns der Taxifahrer doch einen anderen Stadtteil zu besuchen. Den hatten wir gar nicht aufm Schirm, war bei dem Wetter aber durchaus sinniger und zudem näher. Wir haben ja noch ein paar Tage.

Spritpreise haben sich hier in den letzten 5 Jahren verdreifacht und kosten nun auch über einen Euro pro Liter. Essen ist aber immer noch günstig. Für etwa 11 Euro gibt es ein Rumpsteak mit Pommes, dazu Brot, ein Glas Wein und einen Kaffee hinterher. Und dabei gilt Buenos Aires noch als teuer.

Ab morgen wagen wir uns dann auch motorisiert in den Höllenverkehr. Wir haben für 2 Wochen ein Auto gemietet. Erster Stopp wird Rosario sein. Dort sehen wir morgen auch unser erstes Fußballspiel vor Ort.

New York die Letzte

Dienstag, 04.09.2012

Nachdem das Auto pünktlich abgegeben wurde, ging es mit der Metro zum gebuchten Hotel in Chinatown. Das „Doppelzimmer“ war 1,6 m breit, ausgestattet mit einem 1,2 m Bett und keinem Fenster, dafür einer kaum funktionierenden Lüftung, sowie einer großen Bettwanzengesellschaft. Letztlich habe ich dort keine Nacht verbringen müssen.

Denn in New York leben entfernte Verwandte, die ich zwar noch nie im Leben getroffen habe, bei denen ich aber zum Abendessen eingeladen war. Zwei total nette Menschen.  Ich durfte dort auch gleich übernachten und die Wohnung bis Montag dann komplett übernehmen, da die dann im Urlaub waren. Total klasse und nett von denen. Danke nochmal dafür! Die Wohnung selber war auch noch eine Klasse für sich. Direkt am East River in Williamsburg (Brooklyn), eine Fähre startet direkt vor der Tür und die Aussicht aus dem Wohnzimmer ist einmalig. Die Fotos von der Skyline bei Nacht sind von dort, bzw. vom Balkon. Williamsburgs Bevölkerung ist bunt gemixt, und es gibt jede Menge Bars und Möglichkeiten zum Ausgehen. Und das alles eine Metrostation von Manhattan entfernt.

Also am Freitag fand der fliegende Wechsel der Mitreisenden statt. Nachdem der eine am Flughafen JFK verabschiedet wurde, ging es für mich direkt nach Manhattan um dort Fabian abzuholen. Das Wiedersehen wurde am Abend direkt begossen. In einem Bierhaus gab es zu unser völligen Überraschung Pinkus. Ich hab Pinkus Müller noch nie außerhalb von Münster gesehen, nun konnte ich es in New York trinken. Wohl dem Biosiegel sei Dank. Außerdem war dort Doc Brown zu Gast, der wohl grad auf Durchreise war.

Tags drauf ging es nach Manhattan zum Sightseeing. Der leichte Kater, die Hitze und Fabians Knieverletzung trugen dazu bei, dass wir uns nicht lumpen ließen und einen Hubschrauberflug buchten. Und ich kann nur sagen: Manhattan aus der Luft zu sehen ist wohl einmalig. Hat sich auf jeden Fall gelohnt. Da braucht man auch nicht mehr aufs Empire State Building gehen.

Neben weitem Sightseeing beehrten wir auch die US Open durch unsere Anwesenheit. So sahen wir unter anderem den Sieg vom deutschen Kohlschreiber gegen den Ami Isner. Nettes Spiel.

Heute mussten wir die tolle Wohnung wieder räumen und sind in unser Hotel gefahren. Mal ein kleiner Tipp: Kurzfristig und unter der Woche sind Hotels hier total günstig. Das Bettwanzenhotel hatte ich natürlich storniert (2 Nächte musste ich leider bezahlen), und für den selben Übernachtungspreis sind wir im Hilton untergekommen. Also noch was gespart. Angenehm.

Gleich wird dann nochmal Manhattan unsicher gemacht, morgen geht der Flug nach Buenos Aires. Von dort aus gibt’s dann den nächsten Eintrag.

  

Die letzten Tage in den USA

Donnerstag, 30.08.2012

Die letzten Tagen bestanden mal wieder aus Autofahren und einem Tag im Freizeitpark. Es ging zum Cedar Point in Ohio, einer der besten Parks weltweit. Um Geld zu sparen, hatte ich das Ticket, inklusive Fast-Pass (damit man an der Schlange vorbei darf und nicht warten muss) online gekauft. Beinahe hab ich das bereut. Denn genau an dem Tag schien der Sommer einen Aussetzer zu haben. Noch bevor ich die erste Achterbahn erreichte, hatte es meine leichte Regenjacke bereits aufgegeben, das Wasser abzuhalten. Spätestens nach der ersten Fahrt war ich komplett nass. Bei dem Regen waren auch die meisten Bahnen geschlossen. Glücklicherweise wurde es dann doch Stück für Stück besser, sodass alle Bahnen öffneten, ich trocknete und den Park bei Sonne verlassen habe. Highlight war natürlich die Bahn, die einen in 4 Sekunden von 0 auf 190 km/h beschleunigt, um dann senkrecht nach oben zu schießen.

 

Nun stehen wir wieder kurz vor New York und geben morgen das Auto ab. Wir sind durch 33 Staaten (+ Kanada) gefahren und haben dabei 16.105 Meilen, bzw. 25.918 km zurückgelegt. Also mehr als den halben Erdumfang. Ich denke, wir haben ein gutes Stück dieses Landes erleben dürfen.

Freitag findet dann der Wachwechsel statt. Mein bisheriger Reisepartner fliegt zurück nach Deutschland, Fabian kommt und macht mit mir nochmal New York unsicher, ehe der Flieger Dienstagabend Richtung Buenos Aires startet.

Mein Plan ist, bis dahin noch paar allgemeine Eindrücke zum Trip durch die USA zu schreiben. Weiß aber noch nicht genau, ob ich das schaffe.

Aus Argentinien wird natürlich auch gebloggt. Allerdings kann es sein, dass die Beiträge dort unregelmäßiger erscheinen, da ich keine Ahnung habe, wann und wo ich dort Internet habe. Allgemein weiß ich noch nicht so genau, was da überhaupt auf mich zukommt. Es bleibt also spannend…

Detroit

Montag, 27.08.2012

Gestern sind wir ganz entspannt von Chicago Richtung Detroit gefahren. Auf der Futtersuche kamen wir dabei eher zufällig durch Ann Arbor durch, einer 113.000 Einwohner-Stadt, welche quasi aus der University of Michigan besteht. Und diese scheint genau so zu sein, wie jede Klischee-Uni aus amerikanischen Filmen. Die Institute sind allesamt überaus repräsentativ im klassizistischen oder englischen Baustil gebaut, immer mit einer perfekten Wiese + Bäumchen davor. Rund herum dann die ähnlich edlen Wohnhäuser der Studentenverbindungen, die natürlich alle einen Namen wie Alpha Psi sonstwas haben. In den Gärten spielen dann die Studenten in ihren Football-Shirts Frisbee und grillen. Alles natürlich bei perfektem Sommerwetter. Wie im Film halt.

Ach ja, nebenbei hat die Uni natürlich noch perfekte Sportanlagen und ein Stadion, in das mal eben 110.000 Zuschauer, also alle Einwohner der Stadt, passen, welches auch noch regelmäßig ausverkauft ist. Warum auch nicht?

Heute war dann Detroit selber auf dem Programm. Eine Stadt, die ihre besten Tage weit hinter sich hat und wohl auch nie das war, was sie mal sein wollte. Für sehr wenig Geld parkten wie dann in der Lobby vom Theater. Also vom ehemaligen Theater. Ehemals ein prunkvolles Schauspielhaus, wurde es in den 70er Jahren kurzerhand zu einem Parkhaus umfunktioniert. Damit dürfte dieser Parkplatz wohl einzigartig sein.

Über völlig überdimensionierte Straßen liefen wir dann zur ehemaligen Michigan Central Station. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde diese in einem Slum gebaut, da man sich sicher war, dass das Zentrum von Detroit bis hierhin wachsen würde. Dies ist aber nie geschehen und somit steht der Bahnhof auch heute noch in einem recht dünn bebautem und heruntergekommenem Viertel. Dass das Gebäude seit fast 25 Jahren leer steht und seitdem verfällt, passt ins Bild.

Zu Fuß zurück nach Downtown, paar Fotos geschossen und dann haben wir die Stadt auch schon wieder verlassen. Mit seinen alten Hochhäusern im Zentrum und den vielen verlassenen Gebäuden drumherum hat Detroit irgendwie was Unwirkliches und Interessantes. Und obwohl es teils so runtergekommen ist, macht die Stadt irgendwie einen freundlichen Eindruck. Es war definitiv cool, mal hier gewesen zu sein.

Das rote Auto ist unsern Michigan Central Station

Chicago

Samstag, 25.08.2012

So, nach ein 2 Tagen Fahrt und einem Tag Verschnaufpause, sowieso seltsamen nächtlichen Störungen Nachts um halb 4 vor der Motelzimmertür kamen wir in Chicago, The Windy City, an. Gebucht hatten wir das billigste Motel im ganzen Großraum Chicago gleich für 3 Nächte. Und wir bekamen mehr als Erwartet. Die Bettwanzen, die hin und wieder vom Kopfkissen zum Matratzenrand und zurück liefen, hatten wir gar nicht gebucht. Sie gab es einfach obendrein. Ich habe aber gleich einen Nicht-Angriffspakt geschlossen und wurde bisher von Bissen verschont. Auch sonst hat dieses Motel mal wieder „Charakter“. Es würde sich super als Kulisse für irgendeinen düsteren Film eignen.

Am ersten Tag ging es nach einer Stärkung bei unserer Lieblings-Fastfood-Kette Panda „Panzer“ Express Richtung Downtown. Die Außenbezirke Chicagos bestehen hauptsächlich aus Backstein und Stahl. Hat alles einen sehr schönen Industriecharme. Nachdem wir unser Auto für $14 auf einem Parkplatz für den Tag versorgt hatten, steuerten wir unser ersten Ziel an: Den Buckingham-Brunnen, natürlich bekannt aus dem Vorspann der wunderbaren Fernsehserie „Eine schrecklich nette Familie“. Daher musste natürlich in feinster Al Bundy –Manier davor posiert werden. Im Laufe des Tages klapperten wir dann den Rest der Stadt in See-Nähe ab, den Fluss, den Navy Pier und so weiter…

Am zweiten Tag nahmen wir eine andere Route Richtung Zentrum. Wieder sparten wir uns die Maut für die Interstate und fuhren stattdessen durch die Außenbezirke. Manche für bessergestellte Einwohner, mache für die am Rand der Gesellschaft. Das hat hier schon andere Dimensionen als in Deutschland.

Erstes Ziel heute war das mit 442 Metern höchste Gebäude der USA: Der Sears Tower, bzw. wie er seit 3 Jahren heißt: Der Willis Tower. Für schlappe $17,5 geht’s in 45 Sekunden mit dem Aufzug auf 402 Meter Höhe und damit auf die höchste Aussichtsplattform der Staaten. Dass der Ausblick toll ist, brauch ich wohl nicht zu sagen. Als Touri-Gimmick sind dort vier Glaskästen an die Fassade gehängt worden. Man steht quasi außerhalb des Towers im Nichts.

Später machten wir eine Stadtrundfahrt mit der Hochbahn von Chicago. Anscheinend wurde daran seit den 30er Jahren auch nicht mehr viel gemacht. Allein um durch so eine Station zu gehen hat sich der Fahrkartenpreis schon gelohnt. Netterweise fährt diese Hochbahn mit einem ohrenbetäubenden Krachen einmal um Downtown herum im Kreis. Als wir danach eine zuvor ausgemachte italienische Pizzabude aufsuchten, hatte diese schon geschlossen. Die meisten Läden schließen hier schon vor 7 Uhr.

Abgesehen davon ist Chicago irgendwie das nettere New York. Optisch sind die Städte durchaus vergleichbar. Dabei ist Chicago aber deutlich übersichtlicher, hat meiner Meinung nach die interessanteren Gebäude und versprüht teils noch den alten Mafia- und 30er Jahre Charme.

Straßen im Untergrund Mischung aus Hochhaus und Kirche

Ob jemand den Text hier unten nach den Bildern bemerkt? Aber bei Ortsnamen hier in der Gegend wie Mannheim, Schaumburg und auch wieder Munster (diesmal als Stadtteil) musste ich auch wieder an den Afroamerikaner aus Boston denken, der mir von seinem deutschen Opa erzählte und mir ans Herz legte, den German Highway zu fahren, der irgendwo hier in der Umgebung los geht. Er gab mir seine Telefonnummer, ich solle ihn unbedingt anrufen, wenn ich in der Ecke bin. Leider haben wir dafür keine Zeit mehr, da wir in einer Woche das Auto in NY abgeben müssen. Aber ich habe das Gefühl, dass diese Geschichte Potential gehabt hätte.

Mount Rushmore

Montag, 20.08.2012

Mount Rushmore ist herzlich wenig spektakulär. Angefahren hatten wir die Steinköppe, weil sie etwa auf unserem Weg Richtung Osten lagen. Die $11 Eintritt, die fällig geworden wären, um bis an den Fuß des Berges zu kommen, haben wir uns dann aber gespart und uns mit dem freien Blick von der Straße begnügt. Aber es ist schon nett, den doch so bekannten Berg mal live gesehen zu haben.

Aber letztlich war mir das auch egal. Mein absolutes Highlight des Tages hatte ich schon hinter mir. Pünktlich um 7:30 klingelte mein Wecker, ich startete den Laptop und suchte mir einen Livestream vom DFB-Pokal. Anpfiff 8 Uhr und dank der Verlängerung und der fixen Auscheckuhrzeit musste die Dusche für diesen Morgen leider ausfallen. Ergebnis des Spiels wohl bekannt! Dies zaubert einem doch den ganzen Tag lang ein Grinsen auffe Backen. Allerdings ist es auch hart, dass ich diese Saison so viele mitreißende Spiele schon verpasst habe und noch weitere verpassen werde.

Bis zum Mount Rushmore und unserer Unterkunft in einem Goldgräberstädtchen im Wald war die Landschaft durchaus interessant. Danach änderte sich dies rapide, indem sich die Landschaft mehrere Stunden lang einfach gar nicht mehr änderte. Felder und vertrocknete Wiesen. Mal sehen, ob das so bleibt. Nächstes Ziel: Chicago. Aber bis dahin ist noch ein langer Weg.

Yellowstone National Park

Sonntag, 19.08.2012

Wenn man den Yellowstone National Park mal eben ins nördliche Münsterland verfrachten würde, läge Münster in der einen, Osnabrück in der gegenüberliegenden Ecke des Parks. Wenn man die angrenzenden State Forests mit einbezieht, verschwindet mal eben ganz NRW darin. Daher durchwandert man dieses Gebiet auch nicht, sondern fährt mit dem Auto von einem interessanten Punkt zum nächsten. Und das taten wir die letzten 2 Tage lang.

Kurz gesagt ist der Yellowstone Park hässlich, riecht dafür aber gut. NICHT! Wunderschöne Landschaften, dafür regelmäßig ein wenig lecker riechender Schwefelgeruch in der Luft. Der Park teilt sich hauptsächlich in 2 Teile auf. Geysire gibt es hauptsächlich im Südteil, dementsprechend ist dieser auch leicht überlaufen. Je größer der Geysir, desto mehr Menschen in der Nähe. Da wir Deutschen scheinbar kreativer in der Parkplatzsuche sind, war dies aber nie wirklich ein Problem. Dass so eine heiße Wasser- und Dampffontäne beeindruckend ist, muss ich wohl nicht erwähnen. Aber auch abseits der Geysire blubbert überall Wasser und dampft es aus irgendwelchen Erdlöchern. Das Betreten dieser Gebiete ist hier streng untersagt, es sei denn, man möchte in seinem persönlichen Dampfgarer enden. Daher läuft man hier auch durchgängig über Holzstege.

Im nördlichen Teil gibt es dann eher die hübschen Landschaften mit den Tieren. Aber hier muss man nicht selber nach den Tieren suchen. Wenn irgendwo welche gesichtet werden, bildet sich direkt ein Stau, da die Autos einfach mitten auf der Straße stehenbleiben. Unmöglich dies nicht zu bemerken. Also schnell rechts rangefahren und rausgesprungen. Den gebotenen Sicherheitsabstand von 91 Metern hält letztlich nie ein, und die eventuell anwesenden Park-Ranger haben auch nur eine sehr begrenzte Durchsetzungskraft. Besonders die Japaner scheinen da völlig resistent zu sein. Wenn dann aber ein paar Bisons ein paar schnellere Schritte Richtung Fotografen unternehmen, werden diese ganz schnell, mich eingeschlossen. Streicheln möchte die dann doch niemand. Neben den Bisons wurden noch Rehe, irgendwelche großen Greifvögel und ein Kojote gesichtet. Dieser ließ sich doch glatt von einer Entengang in die Flucht treiben. Ein Bär ließ sich trotz Picknicks am Waldrand nicht blicken.

Nach dem Parkbesuch ging es weiter Richtung Osten. Vorbei an den Wirkungsstätten von Buffalo Bill und durch eine Schlucht, bei der man jeden Momentan das Gefühl hatte, dass man gleich von Indianern attackiert wird. Die Landschaft ist hier wieder der in New Mexico und Arizona ähnlich. Wüste und Steppe. Aber das mag ich. Die Menschen hier scheinen früher auch eine besondere Art von Humor gehabt zu haben. Flüsse die wir überquerten, hatten folgende Namen: Bad Water Creek, Poison Creek und Massacre Creek.

Nun geht es weiter zu den steinernen Birnen der vergangenen Präsidenten.

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